Tragend oder nicht?
Eine Wand ist tragend, wenn sie Lasten von oben aufnimmt: Decken, Wände der oberen Geschosse, das Dach. Hinweise sind Wanddicke, Lage im Grundriss — oft in der Mitte des Hauses oder parallel zu den Aussenwänden — und die Richtung der Deckenbalken. Sicherheit gibt nur ein Bauingenieur, der die Pläne prüft und sich das Gebäude anschaut.
Was der Ingenieur festlegt
- Grösse der Öffnung und ob sie so möglich ist
- Sturz oder Träger, der die Last über der Öffnung aufnimmt — aus Stahl, Stahlbeton oder Holz
- Auflager: wo und wie der Träger auf den verbleibenden Wandteilen aufliegt
- Abstützung während der Bauzeit
- Lastweiterleitung nach unten, bis ins Fundament, falls die Auflager mehr Last bekommen
Der Ablauf
- Abstützen: Bevor etwas entfernt wird, werden die Decken beidseits der Wand mit Stützen abgefangen. Die Last fliesst jetzt über die Stützen.
- Öffnung für den Träger: Oberhalb der künftigen Öffnung wird ein Schlitz für den Träger geschnitten.
- Träger einbauen: Der Träger wird eingesetzt, satt unterstopft und auf seine Auflager gesetzt.
- Aushärten lassen, wo Mörtel oder Beton im Spiel ist.
- Öffnung herstellen: Erst jetzt wird die Wand unter dem Träger entfernt — mit Betontrennen oder Kernbohrungen statt mit dem Abbauhammer, um Erschütterungen klein zu halten.
- Stützen entfernen, wenn der Ingenieur das freigibt.
- Leibungen schliessen und verputzen.
Was oft vergessen geht
- Leitungen in der Wand: Elektro, Wasser, Heizung. Sie müssen vorher umgelegt werden.
- Böden: Wo die Wand stand, fehlt im Boden ein Stück Belag.
- Bewilligung: Ob ein solcher Eingriff bewilligungspflichtig ist, entscheidet die Gemeinde. Den statischen Nachweis braucht es in jedem Fall.
Wir machen solche Durchbrüche regelmässig im Rahmen von Umbauten und mit eigenem Gerät für Betontrennen und Kernbohrung.